20.10.2021
Das 2. Mannheimer Placemaking Forum
Das zweite Mannheimer Placemaking Forum befasste sich mit Herausforderungen und Chancen des Lebensraums Stadt. Durch die pandemiebedingte Zwangsschließung vieler kultureller Einrichtungen erlangte der öffentliche Raum einen neuen gesellschaftlichen Stellenwert. Diese Entwicklung verdeutlicht die gesellschaftliche Relevanz von Creative Placemaking – ein Ansatz der Stadtentwicklung mit dem Ziel der höheren Aufenthaltsqualität von öffentlichen Orten. Wenn Museen und Galerien schließen, dann braucht es neue, freie Zugänge zu Kunst und Kultur.
Gerade während der Pandemie beweist Street Art, dass sie sich dazu eignet, das allgemeine Bedürfnis nach künstlerischem Input zu bedienen. Sören Gerhold, Geschäftsführer Alte Feuerwache Mannheim, beschrieb beim Panel „Placemaking and the Arts / The Art of Placemaking” eindrücklich, wie das Projekt STADT.WAND.KUNST Mannheim in ein Open Urban Art Museum verwandelt hat. Der öffentliche Raum wurde zur Kulturstätte, durch die Mannheimer Bürger*innen eigeninitiativ Touren von Mural zu Mural organisierten.
Über die Potenziale von Placemaking Projekten, bei denen Kunst und Kultur eine zentrale Rolle spielen, diskutierten außerdem Stefanie Raab, CEO Coopolis Berlin, Jakkoo Blomberg, CEO Helsinki Urban Art, und Dr. Cara Courage, Head of Tate Exchange, die auch die Keynote hielt. Moderiert wurde das Panel von Dr. Matthias Rauch (Cultural Innovation Officer bei NEXT Mannheim), der die Speaker dazu einlud, verschiedene Fragestellungen zum Thema „Art and Placemaking“ zu beleuchten.
Allgemein festgestellt wurde, dass ein besonderes Merkmal öffentlicher Raumgestaltung mit künstlerischen Mitteln darin liegt, dass Passanten Kunst gerne als Gesprächsthema nutzen. Über Kunst darf und muss geredet werden, denn sie erweckt in jedem von uns eine individuelle Meinung. Durch diesen Austausch entstehen neue Beziehungen an Orten, die zuvor unbelebt waren und oft zwielichtig erschienen. Diese werden nun als sicherer wahrgenommen, da Leute dort betrachtend verweilen, sich wohlfühlen und den Raum für sich nutzen. Auch der Austausch mit den Künstler*innen ist bei solchen Projekten möglich, wodurch Anwohner*innen eine persönliche Verbindung zu den Kunstwerken gewinnen.
Sören Gerhold betonte, dass ein Placemaking-Projekt nur dann erfolgreich sein kann, wenn Kunst und Nachbarschaft zusammenpassen. Wird das Kunstwerk im Viertel angenommen, dann kann es stabilisierend auf die gesamte Nachbarschaft wirken. Anwohner*innen entwickeln dann einen gewissen Stolz auf ihr Viertel, der eine identitätsstiftende Wirkung entfalten kann. Ortsansässige Künstler*innen, die im Rahmen eines Placemaking-Projekts gearbeitet haben, bleiben dem Viertel oft langfristig verbunden.
Auf die Frage nach dem Verhältnis von Placemaking und Gentrifizierung räumte Stefanie Raab ein, dass durchaus ein Zusammenhang besteht, da ein Viertel aufgewertet wird und oft ein besseres Image erhält. Gleichzeitig sind sich die Speaker*innen einig, dass Kunst im öffentlichen Raum und entsprechende Placemaking-Projekte oft zu schnell als Sündenbock für Gentrifizierung herangezogen werden. Schließlich sind viele Parameter verantwortlich dafür, ob und wie sich ein Stadtteil verändert. Am Ende der Diskussion hielt Dr. Matthias Rauch fest, dass Creative Placemaking in Zukunft eine größere Rolle bei der Stadtentwicklung spielen wird. Seit der Pandemie sehen Bürger*innen ihre Stadt mit anderen Augen und ihre Beziehung zum öffentlichen Raum hat sich nachhaltig verändert.



